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Leo Prail wurde am 25. Februar 1887 als Sohn des k.u.k. Maschinenmeister Josef Prail in Pola geboren. Nach Abschluß der Marine-Unterrealschule in Pola besuchte er die Marineakademie in Fiume und trat am 18. Juni 1905 in die k.u.k. Kriegsmarine ein. Zu seinen Jahrgangskameraden zählten unter anderem die späteren U-Boot Kommandanten Friedrich Fähndrich und Johann Krnjavi. Es folgten verschiedene Einschiffungen, ehe er am 1. Jänner 1909 zum Fregattenleutnant ernannt wurde. Er kam am 19. September 1909 zur U-Bootwaffe. Den damals üblichen Taucherkurs, den alle Offiziere der U-Bootwaffe absolvierten, legte er ebenso wie den Torpedo-Offizierskurs mit "sehr guten" Erfolg ab. Prail war zunächst im Reservestab von S.M.U 5 und S.M.U 6 unter dem Kommando von Linienschiffsleutnant Ludwig Eberhardt. Damals hatte man pro U-Bootstyp neben den regulären Stab auch noch einen Reservestab. Am 12. September 1911 kam Prail als 2. Offizier auf S.M.U 5. Am 23. Jänner 1912 kam der Hafenadmiral von Pola Admiral von Ripper an Bord und machte eine einstündige Fahrt mit. Am 5. September 1911 übernahm Linienschiffsleutnant Ludwig Eberhardt das Kommando. Prail blieb auf dem Unterseeboot bis zum 27. September 1912. Es folgten Einschiffungen auf S.M.S Aspern und S.M.S Bellona. Mit 1. Mai 1913 wurde er zum Linienschiffsleutnant ernannt. Am 31. März 1914 kam er auf den Rapidkreuzer S.M.S Saida, jedoch blieb er dort nicht lange, denn er kam am 6. August als Gesamtdetail- Offizier auf S.M.S Orjen. Dieser Tag sollte ein ereignisreicher Tag werden. Das Deutsche Reich erklärte Serbien, Österreich-Ungarn erklärte Rußland den Krieg. Der Weltkrieg war nun unaufhaltbar. S.M.S Orjen wurde am 11. August 1914 in Dienst gestellt. Linienschiffsleutnant Leo Prail machte als GDO zahlreiche Einsätze mit, wie den Vorstoß in die Otrantostraße am 18. Februar 1915, den Vorstoß bis San Maria di Leuca mit S.M.S Helgoland. Sowie den Angriff auf die italienische Küste, am 24. Mai 1915, als Antwort auf die Kriegserklärung des einstigen Verbündeten. Dabei kam es zu einem Verfolgungsgefecht mit dem italienischen Kreuzer Libia und dem Hilfskreuzer Città Siracusa. Am 27. Mai 1915 griff das italienische Luftschiff Città di Ferrara Sebenico an und warf Bomben auf die Dampfer im Prokljansee. Prail gelang es als Artillerieoffizier S.M.S Orjen den Angriff abzuwehren und zu vereiteln. Der Kommandant des Torpedofahrzeuges Korvettenkapitän Maximilian Burstyn beschrieb ihn wie folgt: "Hat bei allen Aktionen Ruhe und Kaltblütigkeit gezeigt. Sehr begabt. Heiter. Sehr angenehmes Mannschaftsmitglied. Ist ein sehr empfehlenswerter Seeoffizier." Er verließ das Torpedofahrzeug und kam im Juli 1915 wieder zur Unterseebootstation. Während seiner Ausbildung zum Kommandanten wurde er als Lotsenoffizier auf deutschen Unterseebooten verwendet. Er nahm auch an zwei Kreuzungen mit S.M.U 5 unter Linienschiffsleutnant Georg Ritter von Trapp teil, bei der ersten wurde der Dampfer Cephalonia, 1074 BRT als Prise eingebracht . Prail war mit 4 Mann Prisenbemannung. Am 17. September 1915 erhielt er das Kommando von S.M.U 10. Es folgten mehrere Aufklärungsfahrten vor Ancona und Rimini, jedoch ohne Erfolg. Ansonsten wurde das Boot für Schulfahrten verwendet. Hoher Besuch traf am 24. Februar 1916 in Pola ein. Armeeoberkommandant Erzherzog Friedrich besichtigte unangemeldet die Flotte in Pola und dabei auch die Boote S.M.U 5 (Linienschiffsleutnant Friedrich Schlosser) und S.M.U 10. Für seine erfolgreiche Tätigkeit als Gesamtdetail- Offizier auf S.M.S. Orjen sowie als Offizier auf S.M.U 5 und als Kommandant von S.M.U 10 erhielt er die bronzene Militärverdienstmedaille. Am 22. August 1916 übergab er das Schiff an Linienschiffsleutnant Otto Molitor und übernahm am nächsten Tag S.M.U 29. Die Kiellegung dieses Neubaus erfolgte am 3. März 1916, der Stapellauf am 21. Oktober 1916. Am 21. Jänner 1917 wurde das Boot in Dienst genommen. Zwei Tage später verließ man Pola zur ersten Fahrt. Bei schwerer See wurde das Boot beschädigt und man lief zunächst in Brgulje ein und erreichte am 25. Jänner wieder Pola. Das Boot wurde gedockt und die Schäden repariert. Am 5. Februar 1917 verließ er mit S.M.U 29 Pola und lief zum Verlegungsmarsch nach Gjenovic aus. Den Hafen erreichte man am 8. Februar, am selben Tag verstarb Flottenkommandant Großadmiral Anton Haus an Bord des Flottenflaggenschiffs S.M.S Viribus Unitis. Am 17. Februar 1917 lief man gegen 22.00 Uhr zur ersten Fahrt aus. Eine halbe Stunde später fiel Fregattenleutnant Robert Fischer über Bord.Linienschiffsleutnant Robert Dürrigl und Fregattenleutnant Julius Wassitsch retteten ihn, indem sie mit Rettungsringen nachsprangen. Am 24. März sichtete man die zwei Transportdampfer Dallington und Carib Prince welche von den Zerstörern H.M.S Gillygate, H.M.S Caersin und H.M.S Checksin begleitet wurde. Er kam auf rund 1.000 Meter heran, doch wendete der Konvoi,bevor es Prail gelang eine Angriffsmöglichkeit zu finden. Am 1. März fiel der Kreiselkompaß aus und Prail mußte die Fahrt abbrechen. Am 4. April 1917 lief er um 5 Uhr aus Pola aus. Am 10. April sichtete er einen Dampfer und ging auf Angriffskurs. Um 7.30 Uhr lanzierte er auf eine Distanz von 300 Meter den britischen Dampfer Dalton, 3486 BRT, der Reederei Webster and Barraclough, dabei kamen drei Mann ums Leben. Da der Dampfer aber nicht sank und eine Verwendung der Kanone wegen hoher Dünung aussichtslos war, lanzierte Prail um 11 Uhr erneut einen Torpedo gegen den Dampfer. Leo Prail nahm den 38jährigen Kapitän Alfred Hope gefangen. Am 15. April kam erneut ein Dampfer in Sicht. Wieder griff Prail an und lanzierte um 9.30 Uhr einen Torpedo gegen den bewaffneten britischen Dampfer Mashobra, 8236 BRT, der British India Steam Navigation Company, dabei kamen acht Mann ums Leben. Der Dampfer sank rasch bis zum Oberdeck und die Bemannung verließ das Schiff in vier Booten. Prail nahm den 51jährigen Kapitän Henry John Brooks gefangen. Da der Dampfer aber nicht weiter sank wurde er nun mit Artillerie beschossen. Darüber schrieb Josef Günter Lettenmair: "Der Engländer zeigt sich sehr angegriffen; sofort wird er durch den Turm in den Mannschaftsraum gebracht. Als er hier einen Schicksalsgefährten, den Kommandanten des Dalton findet, fallen sich beide, obwohl sie sich nicht kannten, in die Arme und haben nasse Augen. Erschüttert sieht dann der englische Kapitän vom Deck des S.M.U 29 sein stolzes Schiff brennend sinken. Die Rettungsboote der Mashobra werden in Schlepp genommen, um sie in die Nähe der Küste zu schleppen. Nachmittags tauchen Rauchwolken auf, ein kleiner Dampfer pflügt heran, nicht wert, dass man ihn versenkte. S.M.U 29 kappt das Schlepptau. Die Leute im Boot danken begeistert in hellen Rufen. Sie sind jetzt wirklich gerettet. Der vermeintliche "kleine Dampfer" waren in Wahrheit die britischen Zerstörer H.M.S Oceanic und H.M.S Loch Hourn, welche die 206 Überlebenden aufnahmen. Am 19. April erreichte man um 13 Uhr Cattaro. Prail erhielt später das Militärverdienstkreuz 3. Klasse. Am 8. Mai 1917 lief er gegen 22 Uhr aus Gjenovic aus. Am 19. Mai sichtete er gegen 8 Uhr die Dampfer Aysgarth und Mordenwood, welche von den Trawlern Relonzo und Limewold gesichert wurden. Um 9:12 lanzierte er einen Torpedo und traf den Dampfer Mordenwood, 3125 BRT, dabei kamen 21 Mann der Besatzung ums Leben. Das Unterseeboot wurde sofort mit Wasserbomben beworfen. Am 22. Mai griff er den Dampfer Marie Suzanne, 3106 BRT, an. Der Torpedo verfehlte aber, im Gegensatz zur Meinung Prails, sein Ziel. S.M.U 29 erreichte am 25. Mai um 16 Uhr wieder Gjenovic. Bei seiner nächsten Kreuzung vom 17. Juni 1917 bis 6. Juli blieb ihm der Erfolg versagt. Für seine Fahrten erhielt er den Orden der Eisernen Krone. Es ging nun nach Pola, wo das Unterseeboot überholt wurde. Am 17. März 1918 erreichte er wieder Gjenovic. Am 25. März lief er zur nächsten Aktion aus. Am 4. April sichtete er ein Schiff und griff an. Er hielt ihn für einen Dampfer. In Wahrheit griff er den britischen Geschützten Kreuzer H.M.S Edgar, 7.350t, an und beschädigte ihn. Während des Angriffs wurde er vom Zerstörer H.M.S Hope mit mehreren Wasserbomben angegriffen. Am nächsten Tag griff er den französischen Dampfer Verdun, 2664 BRT, mit Torpedo an, verfehlte aber das Ziel. Am 15. April ereichte er um 17 Uhr wieder Gjenovic. Prail erhielt später die Silberne Militärverdienstmedaille. Das Boot wurde nun bis Anfang Juni überholt. Es folgten nun mehrere kürzere Aktionen nach Durazzo, ehe er im August das Kommando krankheitsbedingt an Linienschiffsleutnant Friedrich Sterz übergab. Nach seiner Genesung war er als Kommandant des neuen S.M.U 51 (Länge: 75,97m Breite: 6,79m; Tiefgang: 3,47m; Deplacement: 848,5/1136,5t; Höchstgeschwindigkeit: 15,75 Knoten ober Wasser, 9 Knoten unter Wasser; Bewaffnung: 2 10cm Geschütze, 4 Bug-, 2 Hecktorpedorohre 45cm) vorgesehen. Leo Prail wurde stets als offen und heiter beschrieben. Nach dem Krieg mußten sich die Offiziere für eine Nationalität entscheiden. Für viele war dies eine schwere Entscheidung, lebten die meisten doch multinational. Die Beamten verlangen nun auch von Leo Prail seine Entscheidung zu welcher Nationalität er gehöre. Wie bei den meisten Offizieren lautete die Antwort: "Ich bin k.u.k. Offizier". Dies genügte nun freilich nicht mehr, so wurde nach dem Geburtsort gefragt und daraus die Nationalität geschlossen. "Das ist gar nicht so sicher", erwiderte Prail, "denn Jesus Christus ist in einem Stall geboren und wurde deshalb noch lange kein Rindvieh!" Nach dem Zusammenbruch suchte auch er ein neues Betätigungsfeld. Wie viele seiner Kameraden hoffte auch er, eine Verwendung in der neuen österreichischen Volksarmee zu erhalten. Dies gelang ihm auch zunächst. Vom Kriegsende bis Ende Mai 1919 war er in der Marinestabskompanie Graz tätig, später war er im Grenzschutz, bei der Expositur Wörth tätig. Leo Prail starb am 29. April 1924 im Grazer Landeskrankenhaus an den Folgen einer Blutvergiftung, und wurde am 2. Mai 1924 auf dem Stadtfriedhof St. Peter beigesetzt. Quellen: Österreichisches Staatsarchiv, Kriegsarchiv, Marinearchiv: Akten der Präsidialkanzlei Akten der Operationskanzlei Akten der I. Geschätsgruppe Militärgeschichtliches Archiv Prag: Qualifikationsliste Prail Aichelburg, Wladimir, Die Unterseeboote Österreich-Ungarns, Graz 1984 Lettenmair, Günther, RotWeißRot zur See, Innsbruck 1934 Trulei, Oliver, Österreichs U-Boot-Kommandanten, unpubliziertes Manuskript | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||